Aus der Abteilung für Alltagsleben

Ein Besuch im berühmten Düsseldorfer Löwensenfladen

Autorin des jap. Text: Frau Freitag

Diesmal hat die Abteilung für Alltagsleben den in der Düsseldorfer Altstadt gelegenen “Löwensenfladen“ besucht und mit einem ehemaligen Senfmüller, Herr Otto Genth, gesprochen.

Der Anfänge des traditionsreichen Senfbetriebes reichen weit zurück, denn er wurde in der Elsass-Lothringen Region gegründet. Da die Region damals zu Deutschland zählte, nannte man sie Elsass-Lothringen. 1903 gründeten Otto Frenzel und seine Frau Frida dort eine Fabrik, doch nach dem 1. Weltkrieg im Jahr 1918 wurde diese Fabrik von Frankreich beschlagnahmt, und das Ehepaar beschloss nach Deutschland zurückzukehren. Sie entschieden sich für Düsseldorf als neuen Wohnort, doch im damaligen Düsseldorf gab es mit 8 ansässigen Unternehmen bereits eine florierende Senf-Kultur. Das Ehepaar Frenzel beschloss sich dazuzugesellen und wagte als 9. Senfbetrieb der Stadt einen neuen Start. Die meisten Unternehmen verwendeten zu der damaligen Zeit eine braune Senfsorte. Herr und Frau Frenzel brachten hier aus der Region Lothringen gleichzeitig eine neue blassgelbe Senfsorte, ein eigenes Herstellungsverfahren und einen Geschäftsidee mit sich nach Düsseldorf. Dies war der Anfang des “Löwensenfs“. Im hinteren Bereich des heutigen Geschäfts ist eine ganze Wand mit Fotos beklebt, die von der Geschichte des Produkts zeugen. In einer anderen Ecke des Ladens ist ein Monitor aufgehangen, der die aktuelle Situation in der Produktionsstätte des Löwensenfes zeigt. Die Senffabrik liegt übrigens in Unterrath. Oft kann man in Deutschland Rapsölfelder erblicken, aber da für den Anbau der Senfpflanze, die der gleichen Gruppe der Kreuzblütengewäche angehört, weitläufige Flächen benötigt werden, wird Senfsaat aus Ländern wie Kanada, Tschechien oder Ungarn importiert. Pro Monat beläuft sich die Importmenge auf ca. 200 bis 250 Tonnen. Senf wird im April angebaut und im September und Oktober geerntet.
Bei unserem Besuch haben wir in Tüten abgepackte braune (scharf) und gelbe Senfsaat (mild) in die Hand genommen und probiert. Die Senfsorten im Düsseldorfer Senfladen lassen sich in 5 Gruppen aufteilen.

1.Extra Scharf
2.Mild Mittelscharf
3.Süss Pikant
4.Premiumsenf
5.ABB-Senf

“Löwensenf“ wird mit einer Schleuder hergestellt. Bei anderen Senfen kommt ein Mahlstein für das Zerreiben der Senfkörner zum Einsatz. Einer der Hintergründe für die Wahl des Löwens als Markenzeichen ist wohl, dass man sich die Schärfe wie die Stärke eines Löwens vorgestellt hat, als man das Logo entwickelte.  

S.6
Der Tisch im Foto links wurde aus einem alten Mahlstein hergestellt. In der Mitte Herr Genth

Für den extra scharfen Senf (1.) werden braune Senfkörner zunächst gewaschen und der Schmutz entfernt. Danach wird die Senfsaat in Wasser eingeweicht und danach wieder getrocknet. Den Körnern werden mit Wasser, Salz und Essig vermischt und dann in einer Schleuder zentrifugiert, um die Schalen von den Körnern zu entfernen. Die Schalen werden weggeworfen und nur das Innere der Saat wird verwendet. In dem Öl der Senfsaat ist die Schärfe verborgen. Der Senf wird vermengt und eingelegt, damit er vor Luft und Licht geschützt ist. Zum Schluss wird er in Gläser abgefüllt.
Für milden, mittelscharfen Senf (2.) wird gelbe Senfsaat verwendet. Das Herstellungsverfahren ist bei dieser Sorte das Gleiche, wie zuvor beschrieben, doch durch die Zugabe von Gewürzen ergeben sich zahlreiche Variationen. Neben den regulären Sorten gibt es Variationen, die nur zu bestimmten Zeiten im Jahr erhältlich sind, wie z.B. die Sorte Weihnachten oder Glühwein. Außerdem soll es besonders gut schmecken, wenn man  gebratenes Hähnchen oder gebratenes Rindfleisch mit Honig-Dill Senf isst. Es gibt insgesamt etwa 20 bis 25 verschiedene Sorten, zu denen z.B. Sorten gehören, die gerne zur Karnevalzeit verwendet werden. Diese Sorten stehen mittig im hinteren Bereich des Geschäfts auf einem Tisch, der aus einem alten Senf-Mahlstein gebaut wurde, und man kann sie dort probieren. Es gibt zahlreiche Gewürze, die dem Senf beigemischt werden. Kurkuma benutzt man z.B., um die gelbe Färbung zu verstärken. Außerdem werden Nelken, Majoran, Thymian und Pfeffer verwendet.
Für die Herstellung von süßem Senf (3.) wird ein Pulver verwendet, dass aus
braunen und gelben Senfkörnern gemacht wurde. Dieses Pulver wird mit Salz, Gewürzen, Zucker, Essig und Wasser gemischt und bei 80-100 Grad erhitzt. Durch das Karamellisieren des Zuckers wird die Senfmasse noch stärker gebunden und mit der braunen Färbung nimmt auch die Süße zu. Der süße Senf darf zu der in Bayern häufig verspeisten Weißwurst nicht fehlen. Wenn man ihn auf eine Scheibe Gouda streicht und isst, kann man die Süße des Senfs und den Wohlgeschmack des Käses besonders genießen. Fertigt man mit süßem Senf ein Salatdressing an, verstärkt dies den Geschmack des Dressings und man muss keinen zusätzlichen Zucker verwenden.
Das Herstellungsverfahren für den ABB-Senf (5.) wurde 1726 von dem Düsseldorfer Traditionsunternehmen ABBergrath entwickelt. Für den aus braunen Senfkörnern gefertigte Senf wurde damals unfermentierter Traubensaft bei der Herstellung verwendet, heutzutage wird ABB-Senf mit Speiseessig hergestellt. ABB-Senf und Radschläger-Senf können nach Gewicht gekauft werden. In den Düsseldorfer Brauhäusern, die typische Düsseldorfer Gerichte und Bier anbieten, wird der Senf seit jeher in grauen Keramiktöpfchen aufbewahrt. Nach der Verwendung werden die Töpfchen ordentlich verschlossen, um den Senf vor Luft zu schützen und ein Verändern der Farbe zu vermeiden.
Senf hat auch eine medizinische Wirkung. Wenn man erkältet ist und ein Fußbad macht, wärmt es die Füße gut auf, wenn man einen Esslöffel Senf erst 15 Minuten in lauwarmen Wasser erwärmt und dann im Wasser auflöst. Wenn man zwei Esslöffel Senf dem Badewasser beigibt, soll das die gleich wärmende Wirkung auf den Körper haben. Diese Sorten kann man im Baumarkt, im Bioladen oder auch im Supermarkt kaufen.

Düsseldorfer Senfladen, Bergerstraße29, 40213 Düsseldorf-Altstadt
Telefon; 0211-8368049, Öffnungszeiten 10 - 19 Uhr (Mittagspause von 14 - 15 Uhr)
http://www.loewensenf.de