Aus der Kulturabteilung

Deutschland und Japan im Ersten Weltkrieg: Ein Krieg, der nicht endete?

Wenn eine Großmacht andere Länder zum Krieg herausfordert, um den Status einer Weltmacht zu erlangen, hat ihre Bevölkerung in allen Bereichen (militärisch, wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich und in der Kunst) vermutlich einen Gipfel erreicht, sozusagen die maximale statische Reibungskraft (Bild 1). So war die Lage des „Deutschen Reiches“ im Jahr 1914. Es hatte bereits das Britische Reich militärisch und wirtschaftlich überholt. Die Kolonisierung schritt voran. Es gab auch Stimmrechte für Männer. Die Gesellschaft war stabil durch die Einführung verschiedener Sozialsysteme, die Sozialdemokratie gewann ebenfalls an Macht, das humanistische Denken hatte sich auch in der Kunst durchgesetzt.

Der Erste Weltkrieg war ein Krieg zwischen Imperien einschließlich deren Kolonien. Auf einer Seite standen die „Allierten“ aus dem Deutschen Reich, dem Doppelreich Österreich und Ungarn (ein deutschsprachiger Raum, der grob das heutige Osteuropa umfasst), dem Osmanischen Reich und dem Königreich Bulgarien. Diesen gegenüber standen die „Verbündeten“ mit dem Britischen Reich, der Dritten Republik Frankreich, dem Großen Reich Japans, den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern. Die Kriege fanden in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, in China und im Pazifischen Ozean statt. Aber die Ironie der Geschichte zeigte, dass der Krieg, der als Schlacht zwischen Aristokraten begann, gerade dazu führte, dass diese Reiche zusammenbrachen, viele Republiken entstanden, sich die koloniale Unabhängigkeit beschleunigte und die demokratische Bewegungen in vielen Nationen voranschritten. Er hat wahrscheinlich die russische Revolution ermöglicht.

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Warum hat also das Deutsche Reich den Krieg verloren? Es scheint auf das Strategie-Versagen und auf die Militärdiktatur zurückzuführen zu sein.

Anlass des Kriegs war die Ermordung des Thronfolgers Ferdinand vom Doppelreich Österreich und Ungarn durch einen serbischen Jugendlichen in Sarajevo am 28. Juni 1914. Nachdem sich das Doppelreich die Unterstützung des Deutschen Reiches gesichert hatte, erklärte es dem Serbischen Königreich den Krieg. Kurz danach zogen die anderen Länder nacheinander in den Krieg. Das Deutsch Reich marschierte als erstes in das neutrale Belgien und Luxemburg ein, um Frankreich anzugreifen.

Alle Verantwortlichen der deutschen Truppen waren zuversichtlich, dass durch einen Überraschungsangriff der Krieg in einigen Monaten beendet werden konnte. So dachte Kaiser Wilhelm II, der Kriegsminister von Falkenhayn an der Westfront und das „Duo“ der Heeresleitung an der Ostfront von Hindenburg und Ludendorff. Aber sowohl die Stärke des Widerstandes der Franzosen als auch die Anzahl der russischen Soldaten „übertrafen alle Vorstellungen“ wurde später berichtet. In der „Schlacht von Verdun“ in der Nähe von Paris, die zu einem Grabenkampf über 10 Monate führte (Bild 2), kamen 200,000 Soldaten ums Leben.

Schon im Jahr 1916 machte sich die „Militärdiktatur“ des „Duos“ bemerkbar. Die beiden Männer setzten von Falkenhayn ab und filterten Informationen an den Kaiser und den Kanzler. So führten sie eine Verwaltungsreform durch, um Propaganda-Arbeit für ihre militärische Utopie der Schaffung einer „totalen Menschen durch den totalen Krieg“ zu verbreiten. Jedoch führte ihre uneingeschränkte U-Boot-Strategie dazu, dass sich die Vereinigten Staaten an der Seite der „Verbündeten“ am Krieg beteiligten, was bald zur Niederlage der „Alliierten“ führte.

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Trotzdem war für die deutsche Seite das 14-Punke-Friedenprogramm von Präsident Wilson der Vereinigten Staaten völlig unakzeptabel, so dass der „Waffenstillstand“ bis zur Unterzeichnung des „Friedensvertrags von Versailles“ am 28. Juni 1919 andauerte. In der Zeit befanden sich die maßgeblichen für den Krieg Verantwortlichen im Exil.  Später im Jahr 1925 wird von Hindenburg Präsident der Deutschen Republik und er nennt im Jahr 1933 Hitler zum Kanzler. Was Ludendorff betrifft, kehrte er nach Deutschland zurück und kritisierte Hitler für seine Nachsichtigkeit gegenüber den Juden. Im Vertrag von Versailles verlor das Deutsche Reich 13% seines Territoriums. Die Kriegsreparationen in Höhe von 132 Milliarden Goldmark wurden erst im Jahr 2010 beendet.

Wie war die Situation in Japan während des Ersten Weltkriegs? Im Ersten Weltkrieg wurden 100 Million Menschen weltweit getötet und 200 Millionen verwundet. Japan dagegen verlor lediglich 1,250 Soldaten während des Strategie-Krieges in Qingdao, China. In einem kurzen Krieg von einigen Monaten besiegte Japan das Deutsche Reich und erwarb Qingdao und zahlreiche Inseln des deutschen Territoriums im Pazifik. Es wird gesagt, dass der Taktiker der Zeit der damalige Außenminister Kato Takaaki war. Auch Ryuichi Yamada von der Armee betonte damals bereits die strategische Wichtigkeit der Jiaoji-Eisenbahn für die Kolonisierung Japans. Kato ging sogar persönlich zum Kaiser während seines Urlaubs, um eine Kriegserklärung rechtzeitig zu erhalten.

Die japanische militärische Gesinnung von 1914 war noch nicht so ausgeprägt wie im damaligen Deutschland. Ein Beispiel soll die humanitäre Behandlung deutscher Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Bando in der Präfektur Tokushima gewesen sein. 1000 deutsche Handwerker und Musiker, die sich drei Jahre lang dort in Gefangenschaft befanden, führten regelrecht kulturellen Austausch mit den Bewohnern Japans. Beethovens Symphonie Nr. 9, die im Lager gespielte wurde, wurde danach in Japan nachhaltig berühmt. So sang nach Schillers Texten der Männerchor: „...Was die Mode streng geteilt; Alle Menschen werden Brüder...“

Japan lernte aus Deutschland jedoch nicht nur die militärische Disziplin und den Humanismus, sondern auch den Nihilismus. Der Philosoph Nishida Kitaro träumte von der Verschmelzung der japanischen Seele, die Kirschblüten liebt, mit der „Philosophie des schöpferischen Willens“ von Nietzsche und schrieb im Jahr 1917:“Ich liebe den, der über sich selbst hinausgehen will und so zu Grunde geht.“

Nach den Geschichtsbüchern endete der Erste Weltkrieg am 11. November 1918. Aber sowohl Deutschland als auch Japan waren tiefst unzufrieden mit der Haltung der „Verbündeten“ ihnen gegenüber nach Beendigung des Krieges. So betrieben beide Länder danach die Kriegsverlängerung hinter der Bühne.

Hauptliteratur:

1.    Kato Yoko 2017: Soredemo Nihonjin wa „senso“ o eranda (Trotzdem wählten die Japaner den Krieg), Shincho Bunko Verlag, Tokyo.
2.    GEO EPOCHE KOLLEKTION Nr. 10 2018: Der Erste Weltkrieg
 1914-1918, Hamburg.