Aus der Abteilung für Alltagsleben

Der Charme des Moseltals

Die Mosel, ein Nebenfluss des Rheins, hat aufgrund ihres warmen Klimas und der unterschiedlichen Böden weltweite Bekanntheit als Weinbaugebiet erlangt. Dass ich mit diesem Ort, der 150-200 km (entspricht der Entfernung Tokyo-Shizuoka oder Tokyo-Hamamatsu) von Düsseldorf entfernt liegt, in Berührung gekommen bin, war völliger Zufall. Dieser Zufall führte auch dazu, dass ich anfing, mich für die Geschichte der Welt und die Geschichte Europas zu interessieren. Auch 19 Jahre später hat mein Interesse für geschichtlichen Ereignisse nicht nachgelassen.

Der Anlass der dazu führte, dass ich, der eigentlich gar keinen Alkohol verträgt und bei einem Glas Bier bereits einen roten Kopf bekommt, für ein halbes Jahr ein Weinseminar in Trier besuchte, war der Folgende. Alles begann am 31. Dezember 1999, dem Silvesterabend des Milleniums, der den Übergang zum 21. Jahrhundert markierte. Wenige Wochen zuvor hatte ich plötzlich von einer mir völlig unbekannten Person eine Einladung erhalten. In der Einladung stand geschrieben, dass der Absender ein Japan-Liebhaber sei, der Weinberge besäße und selber Wein keltere. Um Millenium-Wein zu machen, plante er, die noch an den Reben verbleibenden Trauben am Silvesterabend zu pflücken und wollte zu diesem Erlebnis einladen. Das Weingut, von dem die Rede ist, bot Weinliebhabern den seltene Service an, Weinberge anzumieten und veranstaltete das Event wohl in der Absicht, auch bei Japanern Bekanntheit zu erlangen. Holländer, Briten und Skandinavier standen ebenfalls auf der Eigentümerliste. Als Mieter der Weinreben erhielt man einen Bereich in den Weinbergen des Guts, zu denen es eine Anekdote die mit Napoleon in Verbindung steht gibt, was an der Mosel einzigartig ist ist. Dem Klang der Silvester-Glocken aus der benachbarten Kirche lauschend, pflückten ich gemeinsam mit den Rebenbesitzern Trauben. Unsere Händen waren von Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ganz taub. So begrüßte ich das Jahr 2000 mit einem völlig unerwarteten und ungewöhnlichen Erlebnis.

Warum handeltete es sich bei dem Seminar um eine Veranstaltug "rund um den" Wein? Auch wenn der Wein im Mittelpunkt stand, war das Ziel des Seminars, das von der IHK Trier ausgerichtet wurde, Touristen in die Moselregion zu locken und damit die Entwicklung der Region zu fördern. Wenn es bei dem Seminar nur um Wein gegangen wäre, hätte ich mich bestimmt anders entschieden. Aber ich war daran interessiert, da der Kurs ein weites Gebiet umfasste, das auch Tourismus und Kultur mitabdeckte. Während des Seminars besuchten wir antike römische Ruinen, die über das Moseltal verstreut lagen und lernten etwas über 2000 Jahre Geschichte, die von Trier, der ältesten Stadt Deutschlands repräsentiert wurde. Auf Exkursionen besuchten wir besondere Städte und lernten ihre Touristenattraktionen kennen. Natürlich erfuhren wir auch etwas über die Bodenbeschaffenheit und das Klima der Weinberge (Terroir), Weinanbaumethoden, den Weinkelterprozess, Weinverkostung usw. und qualifizierten uns als Weintourismusführer. Die zum Weltkulturerbe zählende Stad Trier wurde in der Antike von einem römischen Kaiser gegründet und war eine prachtvolle Stadt, die mit einer Bevölkerung 60.000 Einwohnern damals die größte Stadt nach Paris war. Im Mittelalter, als in Trier der heilige römische Kaiser residierte legte das Wiener Adelsgeschlecht der Habsburg, die in späteren Generationen Spanien und Mexiko einnehmen sollten, die Fundamente für den Wohlstand des Stadt. Aufgrund der politischen Maßnahmen des preußischen Staates, Einwanderer großzügig aufzunehmen, kam ein Franzose, der vor der christlichen Repression geflohen war und in Berlin lebte, zu Reichtum. Er baute eine Burg, die 180 Jahre zuvor vom König seines Heimatlandes zerstört worden war, wieder auf. Dies trug sich in der Stadt Cochem zu. Dann gibt es noch Zell, ein Dorf, in dem eine Katze das Logo einer Weinmarke ist. Und Köwerich, wo ein Weingut steht, das der Familie der Mutter von Beethoven gehörte. Im Ort Piesport gibt es eine riesige Weinpresse aus der Zeit der Römer, die restauriert wurde und die das Grab eines Weinhändlers aus der Antike schmückt. Neumagen, wo ein Denkmal entdeckt wurde, dass die Verladung von Fässern auf Schiffe zeigt und Trittenheim, wo Sie auf einer Anhöhe übernachten können, die Ausblick auf einen extrem geschwungenen Teil der Mosel bietet. In Mülheim gibt es ein Wandgemälde, das ein Zeppelin zeigt. Der erlesene Wein, der während des Fluge serviert wurde, als dieses Luftschiff, dass sich auch Japan genähert hat, zum ersten Rundflug um die Welt aufbrach, wurde in Mülheim produziert. Im französisch-luxemburgisch-deutschen Dreiländereck wurden Wohnhäuser aus der Römer-Zeit restauriert, deren Fundament keltische Siedlungsreste waren. An den Ufern der Mosel gibt es viele weitere interessante Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel Bork, wo Sie ein römisches Bad erleben können. Es macht auch Spaß, ein wenig weiter zu Reisen und die Region um das Rheintal herum zu erkunden.

Wenn Sie sich für Touren in der Region oder das Anmieten von Weinreben interessieren oder im Oktober die Weinlese einmal selber ausprobieren möchten, freue ich mich auf Ihre Anfrage unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mosel-Tourismus-Guide, Herr Hiroshi Takagi

S9 rechts oben

Werbung einer Zeller-Vinothek (Weinprobe, Weinverkauf), die eine Katze als Logo hat.

S9 rechts unten

Wand in Mülheim auf der ein Zeppelin und Trauben abgebildet sind.